Die St.-Vitus-Kirche zu Sailauf
Baugeschichte
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Das Bleckmaul am romanischen Kirchturm |
Die St.-Vitus-Kirche
in Sailauf wurde anstelle der baufällig gewordenen Vorgängerkirche aus dem
Jahre 1574/79 errichtet. Pfarrer Anton Köhler nahm 1781 die Vorarbeiten in
Angriff und beauftragte Baumeister Adam Vill aus Aschaffenburg mit dem Bau, den
dieser zu Martini am 11. November 1789 fertig stellte.
Der Turm wurde im
11. Jahrhundert als Verteidigungsanlage gebaut und blieb bis heute weitgehend
unverändert.
An der unteren Dachkante nach Norden hin ist das Bleckmaul zu sehen: eine kleine
Steinfratze, wohl zur Abwehr dunkler, dämonischer Mächte, wie sie in ähnlicher
Form nach mittelalterlicher Vorstellung häufig an Kirchen- und Profanbauten
angebracht wurden. Mit der Fertigstellung der modernen Auferstehungskirche wurde die alte Pfarrkirche St. Vitus profaniert und blieb ungenutzt. Das verfallende Baudenkmal wurde schließlich durch eine Initiative des Heimat- und Geschichtsvereins saniert und konnte 1989 als Zweitkirche für besondere Anlässen, wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen rekonziliert werden.
Einleitend zu der Renovierung fagnden im Januar 1983 in der Vituskirche unter der Leitung
des Landesamtes für Denkmalpflege, Würzburg, Grabungen statt. Dabei konnten eine sehr frühe christliche
Besiedlung und eine reiche Baugeschichte der St.-Vitus-Kirche belegt werden.
Vier Steinbaugrundrisse wurden nachgewiesen.
Steinbau I aus
dem 11. Jhd.
Steinbau II ohne
Datum
Steinbau III aus
dem Jahre 1576
Steinbau IV aus
dem Jahre 1789
Informationen zur Renovierung der St.-Vitus-Kirche finden Sie hier!
Baubeschreibung und Ausstattung
Die St.-Vitus-Kirche erhebt sich auf
geostetem Grundriss inmitten des nahezu kreisrunden Kirchhofs, der von einer
wehrhaften Mauer umgeben ist. An den niedrigen, romanischen West-Frontturm
schließt sich das Kirchenschiff von 1789 an, das durch vier Fensterachsen
gegliedert ist. Der eingezogene Chor erstreckt sich über eine Fensterachse und
ist dreiseitig geschlossen. An den Chor schließt sich die zweigeschossige
Sakristei an. Von außen ist der Bau sehr schlicht und nur durch die rot
gefassten Bögen der Rundbogenfenster gegliedert. Außerdem findet sich an
der Südfassade ein Fresko der Schutzmantelmadonna mit der Inschrift "Patronin voller Güte / uns alle Zeit behüte"
- das wohl nach dem ersten Weltkrieg geschaffen wurde - sowie eine
Kreuzigungsgruppe von 1712, die noch zum Vorgängerbau gehört haben muss.
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Inneres der St.-Vitus-Kirche |
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Das Innere, das wir über zwei
gegenüberliegende Eingänge im Norden und Süden (Jahreszahl 1789 über
dem
Portal) betreten, ist einschiffig. Gestaltungselemente sind die in bis
zum Boden reichende Nischen der eingelassenen Fenster und die
toskanischen Pilaster
zwischen den Fensterbögen. Das flache Gewölbe bedecken ebenso wie die
übrigen Kirchenwände Wandmalereien des 19. Jahrhunderts, die Anfang des
20.
Jahrhunderts weiß übertüncht und 1987–89 gründlich wiederhergestellt
wurden.
Das geometrisch-florale Bildprogramm zeigt im Chor mit
Medaillon-Darstellungen der vier
Evangelisten, des Erzengels Michael sowie des Agnus Dei oberhalb
des Altars auch bildliche Darstellungen. Das anstelle eines zentralen
Fensters im Chor hängende Altarbild, das die Anbetung des Heiligen
Sakraments
darstellt, kam erst nach der Renovierung 1989 als Leihgabe des
Würzburger
Priesterseminars in unsere Kirche. Das ursprünglich hier angebrachte
Fresko der
Heiligen Dreifaltigkeit wurde bei einer Restaurierung vor dem Zweiten
Weltkrieg zerstört und die historische Kreuzigungsgruppe hier
aufgehängt. Seitlich befinden sich zwei
interessante Buntglasfenster des Nazarener Stils, die links Maria mit
dem
Rosenkranz und recht St. Joseph mit dem Jesuskind darstellen und um die
Jahrhundertwende entstanden sind. Die übrigen Glasfenster der Kirche
entstanden zur selben
Zeit, sind aber nur ornamental gestaltet. Die bildhauerische
Ausstattung
von St. Vitus ist dem vom aufkommenden Klassizismus beeinflussten
Spätbarock
zuzuordnen.
Hier ist der prächtige Hochaltar
hervorzuheben, der aus einem auf Säulen ruhenden Altartisch und einem
aufgesetzten vergoldeten Tabernakel besteht. Das Tabernakel (Jesus-Darstellung
mit Schlüsselloch auf der Schranköffnung) krönt ein auf vier Säulen ruhender
Baldachin (Kuppel) auf diesem wiederum das Agnus Dei auf sieben Siegeln im
Strahlenkranz, flankiert von zwei anmutigen, meisterlich gefertigten Engeln.
Besonders filigran ist auch der zu öffnende Adorationsschrank, dem ein
Kruzifix vorgestellt ist. Im geöffneten Zustand lenken die auf der Innenseite
der Schrankwände aufgemalten Engel den Blick auf das, in Miniaturschnitzerei
ausgeführte, Kassetten-Innengewölbe, vor dem die Monstranz ausgestellt werden
kann. Die wichtigen Würzburger Barockbildhauer Johann Peter Wagner und Balthasar
Esterbauer haben dieses wertvolle Kunstwerk geschaffen – aber wie fand es nach
Sailauf? Der Altar war ursprünglich im Würzburger Dom aufgestellt, 1874 kam er
nach Wörth am Main, um schließlich 1901 von der Pfarrei Sailauf gekauft zu
werden.
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St.-Vitus-Kirche: Kanzel und linker Seitenaltar. |
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Außerdem finden sich an den Chorwänden noch
die historistischen Figuren Herz-Jesu, Marias
und des Hl. Joseph auf ausladenden
Konsolen sowie zum Schutz vor der Witterung vom Friedhof hierher
verlegte historische
Epitaphe. An den durch Stufen und eine barocke Kommunionbank erhobenen
Chor schließt sich das Kirchenschiff mit den beiden über Eck konkav
geschwungenen Seitenaltären an, die zur Originalausstattung der Kirche
gehören. Die Altargemälde sind ein Werk des Aschaffenburger Malers
Edmund Seeland von 1800. Während der rechte Seitenaltar das Altarblatt
des Kirchenpatrons St. Vitus und Barockstatuen
der Heiligen Wendelin und Paulus zeigt, ist der linke,
der
Marienaltar, mit dem Bild der Madonna vor allem wegen der spätgotischen
Statuen
der Heiligen Margaretha und Dominikus (um 1500) beachtenswert. An der Nordwand der
Kirche ist die aus der Erbauungszeit stammende Kanzel aufgehängt, deren
zwei
Medaillons auf dem Korb Jesus als guten Hirten und König zeigen.
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St.-Vitus-Statue |
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An der
Unterseite des Schalldeckels wacht die Taube des Heiligen Geistes über die
gehaltenen Predigten – darüber eine von Voluten emporgehobene Vase. Auf die
gegenüberliegenden Seite des Kirchenschiffs ist im Zuge der großen Renovierung
die barocke Kreuzigungsgruppe aus der Zeit um 1800 zurückgekehrt, die nach dem
Zweiten Weltkrieg hinter dem Hauptaltar aufgehängt worden war. Zwischen den
mittleren Fensterachsen, links der Kanzel, verweist die schöne Barockstatue des
Heiligen Vitus auf die adlige Herkunft (Fürstenhut) und den Märtyrertod (Palme)
des Heiligen, der mit einem Fuß auf seinem „Martergerät“, dem Kessel mit
siedendem Öl, steht. Sein künstlerisch nicht vergleichbares Pendant hat er auf der
anderen Kirchenseite in der Statue der Lehrenden Anna, ein typisches
Werk des Historismus. 1913 wurde der volkstümliche Kreuzweg angefertigt,
der uns in Fraktur über die Stationen des Leidensweges Jesu aufklärt.
In
der Eingangsachse ist der Taufstein aus
Sandstein aufgestellt, unterhalb der Empore finden sich noch zwei
Beichtstühle
und historistische Statuen der Heiligen Barbara und des Heiligen
Antonius.
Über zwei gusseiserne Wendeltreppen betritt man die Empore, auf der
sich die
Orgel mit neobarockem Gehäuse des 19. Jahrhunderts befindet. Der
originale,
größere Rokoko-Orgelprospekt vom Ende des 18. Jahrhunderts war 1973
abgebaut worden und kam nach Hosenfeld bei Fulda - nach dem Einbau
eines neuen Orgelwerks im Jahre 1940 (Opus 406 der Firma Weise aus
Plattling )
hatte das Instrument 20 Register. Die heutige Steinmeyer-Orgel von 1877
mit elf Registern fand 1990 als Neuanschaffung in unsere
St.-Vitus-Kirche und stammt ursprünglich aus Hambach bei Schweinfurt.
Der
Interessierte findet in unserer
Gemeinde noch weit mehr Kunstwerke des Barock. So besticht die Statue
des
Heiligen Sebastian, des Ortspatrons von Sailauf, gerade durch ihre
unvollkommenen Proportionen, während die Madonna auf der Mondsichel
eine schön
gearbeitete Skulptur aus der Mitte des 18. Jahrhunderts darstellt –
beide
Plastiken sind nicht immer in der Kirche aufgestellt. Auch für die
Liturgie
wurden im 18. Jahrhundert zahlreiche Anschaffungen gemacht – an den
drei floral verzierten Kaseln (Messgewändern), am mit Ranken und
Rocaillen
verzierten Kelch (um 1750) und vor allem an der prächtigen
Strahlenmonstranz
haben unsere Vorfahren zur Ehre Gottes nicht gespart.
Bildergalerie: St. Vitus-Kirche innen Bildergalerie: St. Vitus-Kirche außen Bildergalerie: St. Vitus-Kirche: Renovierung
Als Quellen für den Artikel wurden neben eigenen kunsthistorischen Betrachtungen, Rudolf Lipperts Sailauf und Eichenberg im Lichte der Überlieferung (2003), Hermann Fischers Orgeln der Region Bayerischer Untermain (2004), die Schautafel in St. Vitus und verschiedene Presseartikel herangezogen.
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