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Pfarrei St. Vitus Sailauf  > Kunst & Geschichte  > Auferstehungskirche

Auferstehungskirche

 

Baugeschichte
Auferstehungskirche (30. Dezember 2008)

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Auferstehungskirche (30. Dezember 2008)

Nachdem sich die Bevölkerung Sailaufs in der Nachkriegszeit fast verdoppelt hatte, wurde die alte Pfarrkirche St. Vitus bald zu klein für die Gläubigen. Seit 1958 wurden Spenden für einen Kirchenneubau gesammelt, auch wenn zunächst über eine Erweiterung der alten St.-Vitus-Kirche nachgedacht worden war, was aber aus denkmalpflegerischen Gründen aufgegeben wurde. Schließlich wurde unter dem neuen Pfarrer Josef Hämel-Köhler (Pfarrer seit 1967) der Bau einer neuen Pfarrkirche zur Auferstehung Jesu Christi realisiert. Im Vorfeld waren zahlreiche Kirchenbaufeste zur Sammlung von Spenden veranstaltet worden. Der Standort der neuen Kirche auf dem ehemaligen Wirtschaftshof des Pfarrhauses, im unteren Bereich des Kirchbergs wurde auf einer Bürgerversammlung festgelegt. Ebenfalls von der Pfarrgemeinde ausgewählt wurde der Entwurf des Schweinfurter Architekten Emil Mai für das neue Gotteshaus.
Volksblatt vom 29. April 1970
Volksblatt 29.4.1970

Am 18. Mai 1969 konnte unter Beisein des Würzburger Bischofs Dr. Josef Stangl der Grundstein gelegt werden. Bis heute erinnert der vor dem Sakristei-Eingang eingelassene Stein mit der Inschrift Josef 18. 05. 1969 an diesen Tag. Am 31. Juli 1970 konnte das Richtfest gefeiert werden, am 24. April 1971 erfolgte schließlich die Einweihung durch Weihbischof Alfons Kempf. Im Altar wurden die Reliquien von St. Burkard, Georg und Fausta eingesetzt. Der neue Kirchturm wurde mit einem fünfstimmigen Geläut versehen. Zwei Glocken wurden 1969 neugegossen, eine gotische Glocke von 1478 sowie zwei von 1951 wurden aus der Vituskirche überführt. Nur die mittelalterliche Glocke aus dem 14. Jahrhundert verblieb im Vituskirchturm.

In den folgenden Jahren wurde die Ausstattung der Kirche ergänzt. So wurde 1974/75 die Orgel der Orgelbaufirma Hey aus Urspringen/Rhön mit zwei Manualen, 1640 Pfeifen und 24 Registern eingebaut. 1977 wurde nach einjähriger Bauzeit mit dem Jugendzentrum St.
Auferstehungskirche und Pfarrhaus vom Turm der St.-Vitus-Kirche gesehen
Auferstehungskirche und Pfarrhaus vom Turm der St.-Vitus-Kirche gesehen
Vitus
die bauliche Lücke zwischen Pfarr- und Schwesternhaus geschlossen und die neue Ortsmitte räumlich eingefasst. Architekt war wieder Emil Mai. Um von der im Tal des Sailaufbachs gelegenen Ortsmitte einen ungehinderten Blick auf die neue Kirche zu ermöglichen, wurde im selben Jahr das Satteldach des 1846 errichteten Pfarrhauses abgetragen und durch ein hölzernes Flachdach ersetzt. 2007 wurde diese Veränderung behoben, als im Zuge des Umbaus des Pfarrhauses zum Gemeindezentrum, ein neuer Dachstuhl aufgesetzt wurde.

 

Architektur

Auferstehungskirche

Die Auferstehungskirche in Sailauf ist ein moderner Sichtbetonbau nach einem Entwurf des Architekten Emil Mai. Auf halber Höhe des Kirchbergs gelagert und nach Norden in eine Senke des Kirchbergs eingefügt, nimmt der Bau gleichzeitig eine exponierte Stellung im Ortsbild ein und ist von Südwesten bis Osten weithin sichtbar. Den Sichtachsen im Osten, Südosten, und Südwesten öffnen sich drei fächerartige Baukörper. Diese drei ansteigenden Flügel werden von versetzten Wänden gebildet, die wie spitze Trichter die Umgebung einfangen und damit mehr sind als bloße Eingangsportale, sondern auf die freie, raumeinnehmende Lage des Gebäudes reagieren. Über der an- und absteigenden Dachlandschaft, die uns an eine Stelle aus der Offenbarung des Johannes erinnert „Seht, das Zelt Gottes unter den Menschen!“ erhebt sich der Glockenturm, der dreiecksförmig ein großes Stahlkreuz wuchtet. Wie die Außenkubatur ist auch das Innere auf den ersten Blick voller Spannung. Es setzt konsequent die Bewegung des Außenbaus fort. Die Flügel bilden im Innern mit dem Emporen-Seitenschiff vier „Kirchenschiffe, die von den gezackten Dreiecksgewölben des auf riesigen, bis zu 34 Meter langen Deckenträgern ruhenden Holzdaches abgeschlossen werden. Die Schiffe verjüngen sich zum Altar hin und laufen auf ihn zu. Er ist das Ende der Bewegung, die in der Landschaft begann und wenn auch nicht geostet, das Zentrum der Anlage. Das an der Altarwand hängende Altarbild ist nochmal bildhafter Ausdruck der Bedeutung dieser Kirche. Thema ist die Auferstehung Jesu Christi. Während wir die Kirche wie durch eine Felsengruft betreten haben, sehen wir den weit aufgespannten Raum, der auf die Plastik des auferstandenen Christus zuläuft. Hier im Altarraum wird die „Ordnung“der Fächeranlage durchbrochen durch einen von Westen in den Altarraum hineinbrechenden
Auferstehungskirche (30. Dezember 2008)
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Körper, der den unteren Teil des Turmes darstellt. Das durch seine großflächige Glaswand, von Westen einströmende Licht, wirkt durch eine vorgestellte Wand indirekt und schafft hier einen wahrhaft sakralen Raum. Die sieben großen Träger, die auf den „Eingangsfächern“ aufliegen sind oberhalb des Altarbildes vor einem rechteckigen Fenster gebündelt. Die starken Lichtstrahlen die von hier auf die Gestalt des Auferstandenen fallen, lassen an seine Himmelfahrt denken.

 

 

 

Symbolik und Ausstattung

Kirchenraum von der Empore

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Kirchenraum von der Empore

Der Kirchenbau erscheint also in einer Form, die an das Höhlengrab Jesu anknüpft und schafft einen Ort der Auferstehung. Neben den großen Fensterflächen über den Eingangsportalen, seitlich des Altarraums und über der Empore, finden sich an der SO-Fassade neun übereinander angeordnete, runde Fenster, die sich bei genauerem Hinsehen als herzförmig, erweisen. Man könnte darin auch stilisierte Engelsflügel oder Feuerzungen sehen. Dasselbe Motiv finden wir am Ambo, an den Kerzenhaltern im Chorraum sowie in Form von drei Fenstern an der Südfassade (Dreifaltigkeit). Die Neun (3 mal 3) ist die Zahl des Himmels. Wer schon einmal bei unserer Auferstehungsfeier in der Osternacht, die ersten Sonnenstrahlen durch diese Fenster in das Kircheninnere fallen gesehen hat, wird ihre Funktion nachvollziehen können. Das Innere der Kirche wird vom Sichtbeton bestimmt, einen Kontrast bildet das Holz, das für die Verschalung der Dachkonstruktion, die Bankreihen, die Beichtstühle, die Sakristeiwand, die Muttergottes- und Altarplastik sowie die Orgel verwendet wurde.

Innenansicht mit Altarbild der Bildhauer Karl und Tilmar Hornung aus Bergtheim

An dem, durch einige Stufen angedeuteten Übergang vom Kirchen- zum Altarraum scheint das goldene Tabernakel in einen Betonturm zu schweben, der an mittelalterliche Sakramentshäuser erinnert. Links davor findet sich eine schlichte hölzerne Madonna, die ebenso wie die Altarplastik von den Bildhauern Karl und Tilmar Hornung aus Bergtheim geschaffen wurde. Das Altarbild zeigt den vergoldeten Körper des Auferstandenen und im Hintergrund zwei Ringe, die durch Striche angedeutet an die Zeit und damit Christi Sieg über den Tod und das Erlangen des unendlichen Lebens erinnern. Flankiert werden die Ringe von quadratischen Basrelief-Darstellungen der vier Evangelistensymbole des Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Neben Altar und Ambo greifen im Altarraum auch die Apostelkerzenhalter die Feuerzungen der Ostfenster auf. Ihre Anzahl - die vollkommene Zwölf - verweist auch auf die Begegnung Gottes mit der Welt.

 

Niedergang und Ende der Auferstehungskirche

Anschlag an der Auferstehungskirche am 28. März 2008
Anschlag am 28. März 2008

Wir leben in Zeiten des Umbruchs. Nach der Aufbruchsstimmung der Nachkriegszeit und dem Bau vieler neuer, moderner Kirchen gehen seit den 1980er Jahren die Kirchgängerzahlen zurück. Die über 600 Plätze der Auferstehungskirche sind nur noch zu besonderen Anlässen voll besetzt. Da in naher Zukunft kein Gesinnungswandel unter der Bevölkerung zu erwarten ist, und bereits der Unterhalt einer Kirche mit hohen Kosten verbunden ist, hat die Vituskirche auch aus Gründen der Denkmalpflege Vorrang. Der Baufallbericht von 2002 weist die Auferstehungskirche als Sanierungsfall aus. Die nicht behobenen Schäden an den Leimbinderträgern aufgrund des undichten Daches lassen laut neuesten Gutachten keine Nutzung bei Schneelasten zu. Aus diesemGrund konnte am Ostersonntag, dem
Am Abend nach der letzten Messe ist das Allerheiligste Brot  in die St.-Vituskirche in aller Stille umgezogen. Der Tabernakel in der Auferstehungskirche ist nun leer.
Nach der letzten Messe ist das Allerheiligste in die St.-Vituskirche in umgezogen. Der Tabernakel in der Auferstehungskirche ist nun leer.
23. März 2008 die Auferstehungsfeier und damit das Kirchen-Patrozinium zum ersten Mal nicht in unserer Pfarrkirche gefeiert werden. Ein schlechtes Omen? Fakt ist, dass die Pfarrei Sailauf aus eigener Kraft den Erhalt der Auferstehungskirche, so unbestritten ihr architektonischer Wert auch ist
 sie ist eine architektonische Besonderheit in der Diözese nicht bewerkstelligen kann. Mit der Kündigung des Gasvertrages und dem Umzug der Glocken in die St.-Vitus-Kirche wurde die Stillegung der Auferstehungskirche eingeleitet, zu Allerheiligen 2008 schließlich der letzte Gottesdienst in der Kirche gefeiert. Hauptkirche ist nun nach fast 40 Jahren wieder die St.-Vitus-Kirche die Diözese stellt keine
Profanierungsdekret für die Auferstehungskirche vom 11. März 2009

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Profanierungsdekret
Gelder für eine Renovierung der Auferstehungskirche zur Verfügung. Schicksalstag der Auferstehungskirche war der 16. Januar 2008, als das Bau- und Kunstreferat sowie
die Finanzkammer des Bistums Würzburg von der bisherigen Position des Ordinariats der "Aufrechterhaltung der Nutzung" abrückte und der Kirchenverwaltung Sailauf nahe legte, den zeitigen Abriss des Kirchenbaus zu beschließen. Da sich die Diözese bereit erklärte, die Kosten der Abrissarbeiten, sofern sie in naher Zukunft erfolgen, zu übernehmen, entsprach die Kirchenveraltung der Empfehlung des Bistums und beschloss den Abbruch der Auferstehungskirche. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurden schließlich am 11. März 2009 die Reliquien aus dem Altar entfernt und die Kirche somit profaniert. Bischof Friedhelm Hofmann verfasste eine Profanierungsurkunde die Auferstehungskirche ist somit keine Kirche mehr. Kurz darauf begannen die ersten Demontagearbeiten.

 

Bildergalerie der Auferstehungskirche